5. Bodensystematik und Klassifikationssysteme


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5.1Die Bodenklassifikation der Schweiz

5.2Beispiele von ausländischen Klassifikationssystemen

Ergänzungen zu Kapitel 5 (0,4 MB)

 

Um Böden systematisch einordnen zu können, bedarf es eines Klassifikationssystems. Die ursprüngliche Systematik, die vor allem auf die Russen zurückging, berücksichtigte in erster Linie die klimatischen und vegetationszonalen Abhängigkeiten (z.B. Tundra-oder Steppenböden), also Faktoren der Bodenbildung. In diesem Jahrhundert setzten sich grundsätzlich die morphogenetischen (oder pedogenetischen) Systeme durch, bei denen einerseits die analytischen Merkmale eines Bodens sowie andererseits die Prozesse der Bodenbildung und die Entwicklungsgeschichte im Vordergrund stehen. Eine dritte Möglichkeit der Klassifikation besteht in der Verwendung der analytischen Bodenmerkmale allein (unabhängig von der Entstehung) als Kriterien. Diese Klassifikation wird von den USA und etwas abgeändert von der FAO verwendet, und lässt sich nicht problemlos mit unseren pedogenetischen Systemen parallelisieren.

Das heute in der Schweiz gebräuchliche Klassifikationssystem geht auf H. PALLMANN zurüch, der in den 40er Jahren ein pedogenetisches System entwickelt hat. Ab etwa 1960 fasste die Bodenkartierung in der Schweiz Fuss, die Klassifikation entwickelte sich vor allem beim Kartierungsdienst der FAL (Eidg. Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau, Zürich-Reckenholz) weiter. Die hier dargestellt Bodenklassifikation, die im Wesentlichen von der FAL geprägt und von der BGS modifiziert wurde, deckt sich nicht in allen Teilen mit unseren Nachbarländern BRD und Frankreich. Im Folgenden handelt es sich um den Stand von 1997 der Arbeitsgruppe 'Bodenklassifikation und Systematik' der BGS. Zunehmend wird auch in der Schweiz das Klassifikationssystem der FAO angewendet. 1998 wurde zudem von der internationalen Bodenkundlichen Gesellschaft die sog. 'World Reference Base' (WRB) verabschiedet, die eine Modifikation des FAO-Systems darstellt.

 

5.1 Die Bodenklassifikation der Schweiz

Klasse Ordnung Verband Bodentyp
Bodenwasserhaushalt
1. Codeziffer (1-8)
     
  Art der festen Bodensubstanz
2. Codeziffer (1-5)
   
    Chemisch-Mineralogische Komponenten
3. Codeziffer (1-0)
 
      Kennzeichnende Perkolate
4. Codeziffer

Fig. 39: Übersicht über die hierarchischen Klassifikationsstufen und ihre Kriterien

 

Die genauen Kriterien der vier Klasifikationsstufen sowie die entsprechenden Codeziffer sind nachstehend kurz aufgeführt.

Eine weitere Unterteilung in Untertypen aufgrund zusätzlicher Bodeneigenschaften (z.B. Körnung, Säuregrad, Staunässe, org. Substanz) ist möglich und wird mit zusätzlichen Begriffen bzw. Kürzeln gemacht (z.B. karbonathaltig 'KH').

 

Die oberste Stufe, die KLASSE, basiert auf den Kriterien des Wasserhaushaltes, es werden 8 Klassen unterschieden, die die erste Zahl des Codes ergeben:

 

Die nächste Stufe, die ORDNUNG, verwendet als Kriterium die Art der festen Bodensubstanz, also das Bodengerüst, und ergibt die zweite Ziffer des Codes:

 

Die nächsttiefere Stufe, der VERBAND, kennzeichnet die chemisch-mineralogischen Komponenten und bestimmt die dritte Ziffer des Codes. Die ersten drei Glieder umfassen wenig entwickelte Böden (ohne B-Horizont) und werden deshalb nach der Art der Gesteinsrelikte eingestuft, bei den übrigen ist die massgebende chemisch-mineralog. Komponente berücksichtigt:

 

Die letzte Stufe, der TYP, wird aufgrund der in der Bodenlösung dominant vorkommenden gelösten Stoffen (= Perkolate) gebildet; 4. Ziffer des Codes:

 

Ordnung der terrestr. Böden
Silikatgestein
Mischgestein
Karbonatgestein
Gesteinsböden (~Rohböden)
Silikatgesteinsboden
Mischgesteinsboden
Karbonatgesteinsboden
Code: .1..
Horizonte: [O] - (A)C - C
1112
1123
1133
Humus-Gesteinsböden
Humussilikat-
gesteinsboden
Humusmisch-
gesteinsboden
Humuskarbonat-
gesteinsbode
n
Code: .2..
Horizonte: AC - C;
(O) - (O) - Ah - C; Ah - C
Humushorizonte geringmächtig,
aber durchgehend; Verwitterung
ansatzweise (<5% Ton)
1211
1223
1233
Humus-Gesteinsböden
mit Sekundärmineralien
Ranker
Regosol
Rendzina
Code: .3..
Horizonte: O - Ah - (B)C - C
Humusbildung deutlich,
Verwitterung erkennbar,
B-Horizont im Ansatz (>5 % Ton)
1311

1323

 

Kalkbraunerde
1353

1333
Horizonte: Ah - Bw -BC - C;
A - E - It (bzw. Ife) - C
Verwitterung deutlich, evtl.
Verlagerungsvorgänge

saure Braunerde
1351


Braunpodso
l
1361

neutrale Braunerde
1352


Parabraunerde
1355

Rendzina
1333
Verwitterung abgeschlossen,
Residualprodukte
Podsol
1368
saure Parabraunerde
(~saure Braunerde)
1351
Terra fusca
1451 (?)

Fig. 40: Genetische Reihen der wichtigsten normal perkolierten Bodentypen der Schweiz mit Beispielen für Horizontbezeichnungen (Fortschreitende Bodenentwicklung von oben nach unten)

Ergänzungen und Bilder zu Fig. 40

 

5.2 Beispiele von ausländischen Klassifikationssystemen


Die "Soil Taxonomy" der USA, die Legende der "Soil map of the world" der FAO/Unesco (FAO-Klassifikation) und die "World Reference Base" (WRB) der Internationalen Bodenkundlichen Gesellschaft.
Die FAO-Klassifikation ist aus der Soil-Taxonomy hervorgegangen. Die WRB ist nicht als eigentlich neues System gedacht, sondern als Korrelationssystem der verschiedenen länderspezifischen KLassifikationssystemen.

Grundsätzlich handelt es sich in allen Fällen um Systeme, die auf den sogenannten diagnostischen Horizonten und diagnostischen Merkmalen beruhen. Dies bedeutet, dass ein Bodentyp durch eine Abfolge von exakt definierten Horizonten und Sekundärmerkmalen bestimmt ist. Als Kriterien dienen dabei neben den Mächtigkeiten und Horizontabfolgen (z.B. tonarmer über tonreichem Horizont) der Humusgehalt, die Farbe (nach einer normierten Farbtafel), die Körnung, die Basensättigung, der pH-Wert sowie evtl. weitere chemische Eigenschaften. Es ist somit in diesen Systemen kaum möglich, ohne genaue Analysen einen Bodentyp mit Sicherheit einzuordnen. Die Bestrebungen, die Schweizer Böden auch nach der FAO-Klassifikation (bzw. der WRB) einzustufen, zeigen, dass eine eindeutige Zuordnung (selbst bei bekannten Analysendaten) in vielen Fällen nur schlecht möglich ist.

 

Soil group:

Boden mit einem cambic B-horizon und einem mollic oder umbric oder ochric A-horizon

--> Cambisol

Soil unit:

ochric A-horizon und Basensättigung <50 % (mind. in 20 bis 50 cm Tiefe; keine Vergleyungsmerkmale in den obersten 100 cm

--> Dystric Cambisol

Diagnostische Horizonte:

cambic:
- sandiger Lehm oder feiner; mind. 8% Ton
- mind. 15 cm mächtig und Basis mind. 25 cm unter Oberfläche
- KAK mind. 16 cmol+/kg Ton
- zeigt Verwitterung (z.B. Entkarbonatisierung; Kalkanreicherung im Unterboden
- keine Verkittungsmerkmale

mollic:
- Basensättigung > 50 %
- A-Horizont mind. 18 cm mächtig
- in obersten 18 cm mind. 0.6 % org C
- Farbe feucht: Chroma <3.5; Value dunkler als 3.5 und value mind. 1 EInheit dunkler als C-Horizont

umbric:
- wie mollic, aber Basensättigung > 50 %

ochric:
- weniger mächtig als 18 cm, oder weniger org. C oder höheres Chroma als mollic

Fig. 41: Beispiel für Kriterien und Einstufung einer sauren Braunerde nach der FAO-Klassifikation

 

Der Aufbau der FAO-Klassifikation kann auf der Boden-Webseite des GIUZ eingesehen werden (in Vorbereitung).

 

 

 


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