2. Eigenschaften und Verhalten eines Bodens
2.1 Bodengefüge (Bodenstruktur)
Ergänzungen zu Kapitel 2 (0,2 MB)
2.1 Bodengefüge (Bodenstruktur)
Darunter versteht man die räumliche Anordnung der unregelmässig geformten festen Bodenbestandteile, die sich im Verlauf der Pedogenese einstellt. Das Gefüge nimmt grossen Einfluss auf die Porensystem eines Bodens. Grundsätzlich lassen sich drei Gruppen von Gefügen unterscheiden:
Beim Einzelkorngefüge (Elementargefüge) sind die Primärteilchen nicht miteinander verklebt. Schwache Kohäsion der Teilchen im feuchten Zustand durch Wassermenisken, zerrieselnder Zustand nach Austrocknung. Typische Gefügeform von ton- und humusarmen Sand- und Schluffböden.
Beim Kohärentgefüge sind die einzelnen Primärteilchen durch Hüllen von Rost, Kalk, Kieselsäure oder organischen Stoffen zusammengehalten und bilden eine ungegliederte Masse. Oft auch als Kittgefüge bezeichnet. Typische Gefügeform von Ortsteinen in Podsolen, Laterit in tropischen Ferralsolen oder Kalkanreicherungshorizonten in Böden der gemässigten Klimate.
Beim Aggregatgefüge bilden Teile der Bodenmatrix separate Körper in verschiedenen Ausprägungen, die gegeneinander durch Hohlräume abgegrenzt sind. Der Zusammenhalt innerhalb der Aggregate kann über chemische Brücken (Wasserstoff, Ionen), über Kittsubstanzen (Ton, Kieselsäure, Kalk, org. Substanz) oder über den sog. Lebendverbau (Pilzhyphen, Bakterien- und Wurmschleim) erfolgen. Unterteilung in:
Die Bezeichnungen der Gefügeformen sind nicht klar definiert, so sind im landwirtschaftlichen Sprachgebrauch auch die Begriffe "Bröckel" (rundliche Form, einige mm bis cm gross) und "Fragmente" (kantige Form, Grösse sehr unterschiedlich mit ganz unregelmässiger Hohlraumverteilung) gebräuchlich.
Fig. 14: Schema der wichtigsten Gefügeformen (aus Schroeder)
Ergänzung: Bilder zu den verschiedenen Gefügeformen
Die Aggregatbildung in einem Boden wirkt sich auf den Körnungseinfluss ausgleichend aus, indem sie in in feinkörnigem Material grobe Poren schafft. Damit wird die Durchlüftung und die Lebensbedingungen im Boden verbessert. Auf der anderen Seite wird in den Aggregaten grobkörniger Böden der Anteil der mittleren und feinen Poren erhöht, womit die Wasserspeicherfähigkeit gesteigert wird. Das optimale Verhältnis von Substanz- zu Porenvolumen in einem Boden wird nur beim Aggregatgefüge, speziell beim Krümelgefüge, erreicht. Mit der Aggregatbildung ist auch die Gefahr der Abschwemmung und Verwehung von Bodenmaterial verringert.
Eine Stabilisierung des Bodens durch Aggregierung wird durch organische Stoffe, Kalk, verschiedene Kationen oder Oxide gefördert. Neben einer Verhinderung der Bodenverdichtung kann die Aggregatbildung in beschränktem Ausmass gefördert werden, indem in erster Linie das Bodenleben angeregt wird. Dies ist in neutralen und humusreichen Böden am besten gewährleistet, weshalb alle Massnahmen zur Förderung einer günstigen Bodenstruktur in diese Richtung zielen (organische Düngung, Mulchen, Kalkung).
2.2 Ionenaustausch
Zwischen der Bodenmatrix und der Bodenlösung finden Austauschvorgänge statt. An den Oberflächen der Festsubstanz können Moleküle, organische Stoffe und Ionen in verschiedener Weise adsorbiert werden (Wasserstoffbrücken, kovalente Bindungen, elektrostatische Kräfte) und in unterschiedlichem Mass auch wieder an die Bodenlösung abgegeben, also von der Festsubstanz desorbiert werden. Die wichtigste Art in den Böden ist der Ionentausch, bei dem geladene Bodenpartikel Ionen aus der Lösung durch elektrostatische Kräfte adsorbieren oder sie gegen andere eintauschen können. Dabei bezeichnen wir negativ geladene Austauscher als Kationentauscher und positiv geladene als Anionentauscher. Die wichtigsten Tauscher sind Tonmineralien, Huminstoffe und (in kleinerem Ausmass) Oxide.
Tonmineralien sind aufgrund ihres inneren Baus immer negativ geladen, allerdings je nach Typ in unterschiedlichem Ausmass (Fig. 15). Diese negative Ladung bleibt unabhängig vom pH-Wert der Umgebungslösung erhalten. Man bezeichnet dies als permanente negative Ladung, Tone sind somit vorwiegend Kationentauscher.
Huminstoffe weisen generell sehr hohe Ladungen auf (Fig. 15). Anders als bei den Tonmineralien ist die Ladung aber auf die funktionellen Gruppen der Huminstoffe beschränkt, in erster Linie -OH - und -COOH [Carboxyl]- Gruppen. Diese Gruppen weisen einen schwachen Säurecharakter auf und tendieren dazu, mit steigendem pH-Wert verstärkt zu dissoziieren (Protonen abzuspalten). Huminstoffe sind deshalb in neutralen bis mässig sauren Böden stets negativ geladen, wobei diese Ladung mit abnehmendem pH-Wert der Umgebungslösung abnimmt. Huminstoffe weisen also eine variable Ladung auf und sind in durchschnittlichen Böden Kationentauscher; im stark sauren Milieu können sie aber durch Protonenanlagerung zu Anionentauschern werden.
Oxide (Oxidhydroxide) des Fe und Al (und Si) weisen ebenfalls randliche -OH - Gruppen und damit nur variable Ladung auf. Das Ausmass dieser Ladungen ist in unseren Böden meist irrelevant, gewinnt aber in tropischen Böden an Bedeutung, da dort vielfach die permanente Ladung der Tone sehr gering ist.
Mit der Austauschkapazität (AK) wird die Summe der austauschbaren Ionen in Milliäquivalenten / 100 g Substanz ausgedrückt. Sie ist also ein Mass für die Anzahl der Ladungen am Bodentauscher. Unterschieden wird zwischen der Kationenaustauschkapazität (KAK) und der Anionenaustauschkapazität (AAK). Letztere ist bei uns aber unwichtig, da sich die pH-Verhältnisse unserer Böden zwischen 3 und 8 befinden, und somit aus den oben erwähnten Gründen die negativen Ladungen überwiegen. Unsere Böden sind vorwiegend Kationentauscher und können Anionen (z.B. Chlorid oder Nitrat) kaum festhalten!
Bei den am Austausch beteiligten Kationen handelt es sich vorwiegend um Ca-, Mg-, K-, (Na-), Al- und H-Ionen; in geringen Mengen (und in spez. Situationen) NH4-, Fe-Ionen, sowie in Spuren Schwermetallionen. Die austauschbaren Ionen Ca, Mg, K und Na werden als austauschbare Basen bezeichnet, was chemisch zwar nicht korrekt aber erfahrungsgemäss sinnvoll ist, da sie vor allem bei höheren Werten am Tauscher erscheinen bzw. Säuren abpuffern können. Al- und H-Ionen wirken dagegen sauer. Der Anteil der genannten Basen an der gesamten KAK wir als Basensättigung bezeichnet.
Material
Angenäherte Austauschwerte
mval/100 g Trockengewicht
organisches Bodenmaterial
150-500
Kaolinite
Tonmineral-Gruppe
3-15
Halloysite
5-10
Chlorite
10-40
Illite
10-40
Montmorillonite
80-150
Vermiculite
100-150
Allophane
25-100
Aluminium- und Eisenhydroxyde
4
Feldspäte
Minerale
1-2
Quarz
1-2
Basalt
Gestein
1-3
Zeolite
230-260
Fig. 15: KAK der wichtigsten Austauscher (nach Birkeland)
pH
(CaCl2)Corg
(%)KAKpot
KAKeff
Sättigung
(% von KAKeff)
Al
Ca
Mg
K
Na
Böden unter Acker (Mitteleuropa)
Parabraunerde (Löss, Straubing)
6.3
1.4
170
140
0
80
15
5
<1
Schwarzerde (Löss, Hildesheim)
7.2
1.6
180
180
0
90
9
0.5
0.4
Kleimarsch (Wesermarsch)
5.1
2.7
370
250
0
50
42
3
5
Pelosol (Liaston, Franken)
6.7
2.4
220
170
0
83
8
9
0
Podsol (Sand, Celle)
5.2
2.5
120
30
0
86
6
7
1
Böden unter Wald (Mitteleuropa)
Podsol (Granit, Bayer. Wald)
2.6
11.7
-
68
65
22
6
4.6
2.6
Pseudogley (Löss, Bonn)
3.8
5.7
184
54
69
13
<2
6
11
Braunerde (Löss/Bims, Vogelsberg)
2.9
19.8
600
120
85
5.8
4.2
5
0
Böden anderer Klimate
Vertisol (Sudan)
6.8
0.9
452
470
0
71
25
0.4
3.8
Andisol (Hawaii)
4.5
11.7
531
133
3.7
71
20
3.8
2.2
Oxisol (Brasilien)
3.5
2.8
130
26
89
2.7
3.5
3.1
1.2
Ultisol (Puerto Rico)
3.5
3.3
256
72
72
15
8.3
2.8
1.4
Aridisol (Arizona, USA)
9.9
0.4
364
-
0
45
5.5
2.5
47
Fig. 16: Sorptionsverhältnisse einiger Oberböden (aus Scheffer/Schachtschabel)
Fig. 17: Schematische Darstellung der KAK-Verhältnisse (aus Scheffer /Schachtschabel)
Schematische Darstellung der Abhängigkeit von KAKeff und Kationenbelag (in % von KAKpot) vom pH-Wert in einem Boden mit ca. 20-30 % Ton, vorwiegend Dreischichttonminerale und 2-3 % Humus.
Die Haftfestigkeit der Ionen am Austauscher hängt im wesentlichen ab von:
Daraus ergibt sich ohne Berücksichtigung von spezifischen Bindungen grundsätzlich die folgende Reihe abnehmender Haftfestigkeit:
Al+++ > Ca++ > Mg++ > K+ = H3O+ > Na+
Im Gleichgewichtszustand ist die Zusammensetzung des Kationenbelags nach bestimmten Regeln mit der Gleichgewichtslösung (Bodenwasser) verknüpft. Grundsätzlich gilt für ein einzelnes Kation, dass sein Anteil am Kationenbelag mit steigender Konzentration in der Bodenlösung ansteigt. Beim Austausch konkurriert aber jedes Kation mit andern gleichzeitig anwesenden Kationen und wird deshalb bis zu einem gewissen Mass selektiv adsorbiert (Fig. 18). Die mathematische Beziehung zwischen der Konzentration in der Gleichgewichtslösung und der adsorbierten Menge eines bestimmten Ions wird als Adsorptionsisotherme bezeichnet (Fig. 19). Adsorptionsisothermen haben keine allgemeine Gültigkeit, je nach der Bodenzusammensetzung (Humus, Ton) und der am Austausch beteiligten Ionengarnitur könne diese Kurven für ein bestimmtes Ion ganz unterschiedlich aussehen.
Kation:
Al
Ca
Mg
Na
K
H
Summe
Mullrendzina
Bodenlösung (mmol/l)
absolut
0
1.43
0.08
0.17
0.04
0
1.72
relativ
0
83
5
10
2
0
100
Kationenbelag (mval/kg)
absolut
0
429
17
1
6
0
453
relativ
0
95
3.5
0.2
1.3
0
100
Braunerde
Bodenlösung (mmol/l)
absolut
0.06
0.47
0.11
0.30
0.33
2.24
1.51
relativ
2
20
5
25
28
20
100
Kationenbelag (mval/kg)
absolut
102
22
3
1
4
11
143
relativ
72
15
2
1
3
7
100
Fig. 18: Zusammenhänge zwischen Gleichgewichtslösung und Kationenbelag:
Absolute und relative (%) Zusammensetzung der Gleichgewichtsbodenlösung (mmol/l) und des Kationenbelags (mval/kg, Extraktion mit M NH4Cl) von Ah-Horizonten einer schwach sauren (pH 6.1) Mullrendzina und einer strak sauren (pH 3.2Braunerde.
Fig. 19: Beziehung zwischen gelösten und adsorbierten Stoffen (Adsorptionsisothermen schematisch für Blei und Cadmium)
Anionentausch
Wie bereits erwähnt ist der Anionentausch und die unspezifische (also rein elektrostatisch bedingte) Adsorption von Anionen in unseren Böden von untergeordneter Bedeutung, da die Zahl der positiv geladenen Tauscherplätze sehr klein ist und sich vor allem auf Huminstoffe und Oxide beschränkt. Grössere Mengen an Oxiden sind allerdings auch bei nur schwach sauren Verhältnissen in der Lage, eine gewisse Menge von Anionen zu adsorbieren, was für tropische Böden wichtig ist. Die Anionen NO3-, SO42- und Cl- werden deshalb bei uns nur sehr schwach gebunden und rasch wieder aus dem Boden ausgewaschen. Spezifische Formen der Adsorption finden sich beim Phosphat in Bindungen an die Oxide des Fe und Al, da hier durch Ligandaustausch sehr feste Bindungen eingegangen werden. Fig. 20 zeigt das Beispiel einer Chlorid-Adsorption an Kaolinit. Dieses für tropische Verhältnisse typische Tonmineral enthält praktisch keine permanente negative Ladung, die positive Ladung (unterhalb etwa pH 6.5) beruht wahrscheinlich auf den randlichen OH-Gruppen, die im saurer werdenden Milieu zusätzliche Protonen aufnehmen und somit eine schwache positive Gesamtladung entwickeln können.
Kaolinitic Soil [mmol sorbed kg-1]
Montmorillionitic Soil [mmol sorbed kg-1]
pH
Cl-
SO42-
pH
Cl-
7.2
0
0
6.8
0
6.7
3
10
5.6
0
6.1
11
27
4.0
0.5
5.8
24
36
3.0
1
5.0
44
52
2.8
4
4.0
60
-
Fig. 20: Cl- - Adsorption an Kaolinit bei verschiedenen pH-Werten (aus Bohn)
2.3 Bodenazidität
Darunter versteht man die saure Reaktion eines Bodens. Das Mass dafür ist der pH-Wert, also die Protonenkonzentration (genauer H3O+-Ionen) in der Bodenlösung. Die mitteleuropäischen Böden weisen einen pH-Wert zwischen 3 und 8 auf. In Trockengebieten ist die basische Reaktion (bis pH 10) häufiger, dort spricht man von Bodenalkalität. Der aktuellen Azidität, die in einer wässrigen Suspension gemessen wird, steht die potentielle (oder Gesamt-) Azidität gegenüber, welche zusätzlich noch die am Tauscher festgehaltenen H+- und Al+++-Ionen (die ebenfalls sauer reagieren) ermittelt. Die potentielle Azidität ist im Durchschnitt um 0,6 pH-Einheiten tiefer (abhängig vom jeweiligen pH-Wert) als die aktuelle, sie wird in einer schwachen CaCl2-Lösung bestimmt, weshalb die Art der Messlösung immer angegeben werden sollte. Ein Boden ist demnach sauer, wenn er in der Bodenlösung Protonen produzieren kann!
Die Bedeutung des pH-Wertes liegt in folgenden Punkten begründet:
Fig. 21: Beziehungsschema zwischen pH-Wert und pedogenetischen bzw. ökologischen Faktoren Breite der Bänder: Intensität bzw. Verfügbarkeit. (aus Schroeder)
Die pH-Skala der Böden wird nach dem in der Schweiz gebräuchlichen Schema von Fig. 22 unterteilt, wobei noch anzumerken ist, dass die pH-Werte in einem Boden auf kleinstem Raum stark schwanken und auch jahreszeitlich beträchtliche Unterschiede aufweisen können.
pH (HOH)
pH (CaCl2)
Stark alkalisch
über 8.2
über 8.2
Alkalisch (viel Na+ adsorbiert
7.7 - 8.2
7.7 - 8.2
Schwach alkalisch
7.3 - 7.6
6.8 - 7.6
Neutral
6.8 - 7.2
6.2 - 6.7
Schwach sauer
5.9 - 6.7
5.1 - 6.1
Sauer
5.3 - 5.8
4.3 - 5.0
Stark sauer
< 5.3
< 4.3
Fig. 22: Definitionen der Boden- pH-Werte (aus BGS Dok. Nr 5)
Für die Herkunft der Protonen im Boden existieren verschiedene Quellen:
In unseren Klimaten ist die Bodenversauerung im Lauf der Zeit ein natürlicher Vorgang, da Protonen ständig nachgeliefert werden, andere (basisch wirkende) Kationen aber über die Pufferreaktionen und den Verbrauch durch Fauna und Flora über das Sickerwasser oder den Biomassenentzug aus dem Bodensystem entfernt werden. Je älter ein Boden grundsätzlich ist, desto saurer reagiert er. Da die Protonen von aussen in das System gelangen oder vor allem im Oberboden entstehen, ist im Boden generell eine Zunahme des pH-Wertes von oben nach unten vorhanden. Der Boden hat aber verschiedene Möglichkeiten, dieser Versauerung Widerstand entgegenzuhalten, indem er die Protonen neutralisieren oder abpuffern kann. Es stehen ihm verschiedene Puffersysteme zur Verfügung, wobei nicht jeder Boden die gleichen Möglichkeiten besitzt. Pufferung bedeutet ein annäherndes Konstanthalten des pH-Wertes trotz Zufuhr von Protonen, was wiederum bedeutet, dass nicht jede "Versauerung" (=Protonenzufuhr) über den pH-Wert gemessen werden kann.
Puffersysteme
Pufferung durch Karbonate: Gemäss der Kalklösungsgleichung werden die Protonen der Kohlensäure durch den Kalk zum schwach basischen HCO3- - Ion umgewandelt. Diese Reaktion karbonathaltiger Böden verhindert, das der pH-Wert unter den Neutralbereich (pH 6.5) absinkt, wie dies Fig. 23 deutlich belegt.
Fig. 23: Gehalt an Erdalkaliionen (HNO3-Auszug) in Abhängigkeit vom pH-Wert von Böden am Gubrist (aus Fitze et al.)
Pufferung an variablen Ladungen: Die bereits beim Ionentausch erwähnten funktionellen Gruppen, die in neutralen Böden mit Kationen besetzt sind, können diese Kationen gegen die Protonen der Bodenlösung austauschen. Entsprechend der unterschiedlichen Säurestärken der verschiedenen Gruppen ist diese Reaktion in einem weiten pH-Bereich möglich (pH 8 - 3).
Pufferung durch Silikate: Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um die Silkatverwitterung durch Säuren, wobei im Gegenzug zur Protoneneinlagerung in die neuen Verwitterungsprodukte gewisse Metallkationen in Lösung gehen. Dieser Vorgang verläuft im sauren pH-Bereich irreversibel und sehr langsam ab.
Pufferung durch Oxidhydroxide: Vor allem Fe- und Al-hydroxide können mit den Protonen unter Wasserabspaltung reagieren, wobei die Metallionen anschliessend in gelöster Form in der Bodenlösung vorliegen. Diese Reaktion kann erst im stark sauren Bereich (< pH 4) stattfinden. Häufig kann ein erhöhter Al-Gehalt im Grundwasser ein Hinweis auf die extreme Bodensituation sein.
2.4 Redoxverhalten
Viele anorganische Bodenreaktionen und alle biologischen Reaktionen der Elemente C, S und N sind Redoxreaktionen, also Elektronenverschiebungsvorgänge. Eine Verbindung liefert die Elektronen (e- - Donator), die andere empfängt sie (e- - Akzeptor). Oxidation des einen Stoffes ist immer verbunden mit Reduktion des anderen, wobei Oxidation Verlust eines Elektrons bzw. Erhöhung der Wertigkeit bedeutet. In der Natur ist der Sauerstoff der stärkste Eletronenakzeptor, der wichtigste Elektronendonator ist die organische Substanz:
(e- - Donator) (=Reduktionsmittel) Bakt. Oxidation (O2 als e- - Akzeptor) (=Oxidationsmittel)
am Beispiel des Kohlehydrat-Abbaus:
C(0)H2O + O2 = C(+IV)O2 + H2O + Energie
Beim Fehlen von Sauerstoff findet der Humusabbau durch anaerobe Bakterien statt, wobei als e- - Empfänger andere Substanzen dienen, z.B. NO3-, welches reduziert wird (bis zu den Gasen N2O und N2), oder in einer nächsten Phase Mangan und Eisen (vgl. Tabelle der Redoxpotentiale). Bei extrem schlechten Potentialen (lange Phasen der Anaerobie) kann SO42- zu H2S oder CO2 zu CH4 reduziert werden.
Redoxreaktion
E7 (V)
Beginn der NO3-Reduktion
0.45 - 0.55
Beginn der Mn2+-Bildung
0.35 - 0.45
O2nicht mehr nachweisbar
0.33
NO3- nicht mehr nachweisbar
0.22
Beginn der Fe2+-Bildung
0.15
Beginn der SO4---Reduktion und Sulfid-Bildung
-0.05
Beginn der CH4-Bildung
-0.12
SO4-- nicht mehr nachweisbar
-0.18
Fig. 24: Experimentell ermittelte Redoxpotentiale bei pH 7 (aus Scheffer / Schachtschabel)
Das Redoxpotential, das in einer Bodensuspension in V gemessen wird, ist ein Mass für den Redoxzustand eines Bodens: Hohe Werte in gut durchlüfteten, sauren Böden und niedrige Werte unter neutralen, anaeroben Bedingungen.
Beispiel für die Oxidation von Fe2+ zu Fe3+ durch den Sauerstoff (Rostbildung bei der Verwitterung Fe2+-haltiger Silikate, etwa Biotit):
Fe2+ + 3 H2O
=
(Oxid. von Fe+2 zu Fe+3)
O2+ 4 H+ + 4 e-
=
(Red. von O0 zu O-2)
4 Fe2+ + 10 H2O + O2
=
Aus diesen Gleichungen zeigt sich auch, dass Redoxreaktionen mit Protonenverbrauch oder -produktion, also mit pH-Änderungen, verbunden sind.
Eisen und Mangan prägen durch ihr Redoxverhalten viele Böden bzw. pedogenetischen Prozesse. Sie sind je nach pH-Bedingungen und Redoxpotentialen in fester oder gelöster Form im Boden vorhanden, wie die Stabilitätsfelder belegen:
Fig. 25: Stabilitätsfelder von Fe und Mn (aus Scheffer / Schachtschabel)
links: Stabilitätsfelder von Fe3+, Fe2+, a-FeOOH und Fe3O4 (mit gestrichelten Linien von Fe(OH)3, Fe3(OH)8 und Fe(OH)2) in Abhängigkeit von Redoxpotential, pH-Wert und Ionenaktivitäten von 10-5 Mol/l unter Standardbedingungen (105 Pa, 25 °C)
rechts: Stabilitätsfelder von Mn2+, b-MnO2, Mn2O3, Mn3O4 und Mn(OH)2 in Abhängigkeit von Redoxpotential, pH-Wert und Ionenaktivitäten von 10-5 Mol/l unter Standardbedingungen (105 Pa, 25 °C). Mit gestrichelten Linien Stabilitätsfeld für MnCO3 bei einem CO2-Gehalt der Bodenluft von 1 % (PCO2 = 103 Pa)
Eisen ist demzufolge unter normalen pH-Verhältnissen (pH 3 - 7) als Festsubstanz im Boden immobilisiert als Fe3+, sofern gute Durchlüftung gewährleistet ist. Nach Wassersättigung kann es (schon nach Stunden bis Tagen) als Fe2+ - Ion gelöst und damit auch verlagert werden. Ähnliches gilt auch für Mangan, allerdings erfolgt die Lösung rascher. Böden mit jahreszeitlich starken Wassergehaltsänderungen zeigen also typische Verlagerungsmerkmale von Fe und Mn: marmorierte Stellen, Konkretionen, bleiche Verarmungs- und rostige Anreicherungsstellen, schwarze Manganflecken. In Fig. 26 sind einige dieser Prozesse nach Sättigung mit Wasser in einem Boden festgehalten.
Fig 26: Redoxpotentiale, pH-Werte, Gehalte an wasserlöslichen und austauschbaren Mn2+ - und Fe2+ - Ionen und Monosulfidgehalte eines mit Meerwasser gesättigten Bodens in Abhängigkeit von der Versuchsdauer (aus Scheffer / Schachschabel)
Einige wichtige bodenkundliche und ökologische Konsequenzen, die sich aus diesen komplexen Redoxreaktionen ergeben, zeigt folgende unvollständige Aufstellung:
| Zurück zum Anfang | Homepage Bodenkunde |
|